Woher ein Assistent weiß, was er nicht weiß
Sprachmodelle antworten immer, auch ohne Wissen. Was Grounding technisch bedeutet, welche Angaben nie aus dem Modell kommen dürfen und warum „nichts gefunden“ eine gute Antwort ist.
Von der Piqit-Redaktion
Veröffentlicht am 11. August 2026 · Aktualisiert am 14. August 2026
Mit KI erstelltes Bild. Das Motiv ist generiert und zeigt keine reale Szene.Ein Sprachmodell antwortet immer. Es gibt keinen Zustand, in dem es schweigt, weil ihm etwas fehlt. Beim Formulieren einer Mail ist das bequem. Bei einer Kaufentscheidung ist es gefährlich: Ein erfundener Preis, eine erfundene Lieferzeit oder ein erfundenes Maß führen zu einer Entscheidung, die auf nichts beruht.
Dieser Beitrag beschreibt, warum das passiert, was man technisch dagegen tut und welche Rolle für ein Sprachmodell übrig bleibt, wenn man ihm die Fakten wegnimmt.
Warum ein Modell nie sagt: weiß ich nicht
Ein Sprachmodell schlägt nichts nach, es rechnet weiter. Es schätzt fortlaufend, welches Wort als Nächstes am wahrscheinlichsten ist, und tut das für eine erfundene Angabe genauso zuverlässig wie für eine richtige. In den Gewichten steckt kein Lagerbestand und keine Preisliste, sondern eine sehr gute Statistik darüber, wie Sätze über Produkte klingen.
Deshalb klingt eine erfundene Angabe genau wie eine belegte. „Das Modell kostet aktuell 649 Euro und ist in zwei Wochen lieferbar“ ist ein perfekt geformter Satz. Ob er stimmt, kann das Modell aus sich heraus nicht wissen.
Dazu kommt der Stichtag. Das Training endet irgendwann, der Handel läuft weiter. Preise ändern sich täglich, Sortimente wöchentlich. Selbst ein Modell, das zum Trainingszeitpunkt jede Zahl korrekt gelernt hätte, wäre heute veraltet.
Falsch ist nicht dasselbe wie erfunden
Es lohnt sich, zwei Fehler auseinanderzuhalten.
Eine falsche Einschätzung ist ein Bewertungsfehler. Das System hält ein Produkt für passend, das jemand anders beurteilt. Darüber kann man streiten, es ist Geschmack, Auslegung oder ein schwaches Ranking.
Eine erfundene Angabe ist etwas anderes. Sie hat keine Quelle. Niemand hat sie behauptet, sie ist im Text entstanden, weil dort eine Zahl hingehörte. Beim Einkaufen zählt genau diese Unterscheidung, denn hier ist die Herkunft einer Angabe wichtiger als ihre Plausibilität.
Grounding: die Antwort kommt aus den Treffern
Der übliche Weg dagegen heißt Grounding, zu Deutsch etwa Erdung. Das Prinzip ist einfach: Das Modell soll nicht aus dem Gedächtnis antworten, sondern aus einer Unterlage, die ihm im Moment der Antwort vorgelegt wird.


